Mauretanien I - 2012

Rückblick auf 6 Wochen Eselprojekt in Mauretanien

(Aus dem Bericht über das Projekt vom Verein Respektiere - www.respektiere.at --> http://www.respektiere.at/news700px.php?catid=&newsid=1011 )

 

Dieser Tagen ist die Biologin Sylvia Reiter erneut nach Nouakchott aufgebrochen, um dort an unserem Projekt ‚Esel in Mauretanien’ wieder aktiv an vorderster Front mitzuarbeiten!

Sylvia war gerade erst von einem sechswöchigen Einsatz aus der mauretanischen Metropole zurückgekehrt – bitte lesen Sie den Bericht darüber im nächsten Absatz – um ist nun schon wieder dorthin zurückgekehrt; die Eindrücke des ersten Hilfseinsatzes waren derart überwältigend für sie, sodass sie sich entschloss, erneut all die damit verbundenen Strapazen zu erdulden - und das gleich ganze 3 Monate lang!

Sylvia wird dabei in erster Linie das Voranschreiten des Hufprogrammes beobachten und unterstützen, ein Thema von immenser Wichtigkeit. Letztendlich wird sie aber natürlich auch Dr. Dieng erneut zu den Wasserstellen begleiten und nach noch nachhaltigeren Lösungsansätzen für eine möglichst erfolgreiche Wundvermeidung suchen.

'Esel in Mauretanien’ hat sich stetig weiterentwickelt, und dabei eine kaum zu Hoffen gewagte Qualität erreicht, die es nun aufrechtzuerhalten und auszubauen gilt. Aus diesem Grunde verabredeten wir uns dann auch zu einem Arbeitstreffen in Berlin, wo unsere rechte Hand vor Ort, der großartige Saleck, aus Liebes- und Geschäftsgründen für 10 Tage verweilte; das eilige Meeting verlief sehr, sehr konstruktiv und rechtfertige damit den hohen Aufwand auf allen Linien. Mit stolz geschwellter Brust behaupten wir – ‚Esel in Mauretanien’ sieht einer fantastischen Zukunft entgegen!
Im Bild links sehen Sie übrigens das Aufhängen unserer neuen 'Schlagen Verboten'-Schilder an den Wasserstellen (von unserer Künstler-Aktivistin Caro Riener so hervorragend zeichnerisch umgesetzt); rechts Saleck und Tom vor dem Brandenburger Tor in Berlin!

 

 

Bitte unterstützen Sie weiterhin dieses zutiefst menschliche Tierschutzprojekt. Ohne ihre Hilfe sind uns die Hände gebunden. Mit Ihrer Hilfe aber, und das ist ein Versprechen, ändern wir jeden Tag auf ein Neues gemeinsam einen Teil der Welt, der bisher, entlegen dem Zeitstrom, völlig im Schatten der Weltöffentlichkeit geblieben war….


Projektbericht Sylvia Reiter:

 

 

 

 

 

 

 

'Es ist ein eigenartiger Moment, wenn mich Leute nach meinem Aufenthalt in Mauretanien fragen – dem Land des Leides, des Schmerzes, der Tierquälerei – und ich strahlend antworte: „Unglaublich schön!“. Die Blicke daraufhin sind meist erstaunt und fragend… Denn mein 6-wöchiger Aufenthalt für das Eselprojekt von RespekTiere vor Ort zählt eindeutig zu den einschneidendsten Erfahrungen meines Lebens. Es ist schwer, eine solche Erfahrung in wenige Worte zu fassen. Um es nur mit Adjektiven zu beschreiben: berührend, schockierend, ergreifend, Mut machend, erschöpfend, belebend, berührend, glücklich machend, traurig machend, verändernd und und und...
Auf solch einer Reise macht man (fast) alle Emotionen durch. Man verzweifelt an der Gewalt an diesen wunderbaren, ausdauernden, hart arbeitenden Tieren… Gleichzeitig schöpft man unglaublich viel Mut aus den Veränderungen, die man an den Menschen jeden Tag sieht. Mal will man Alles hinschmeissen, dann steht man daneben, wenn sich ein Einheimischer 12 Minuten lang lautstark mit einem Polizisten streitet, um sich für das Projekt einzusetzen und uns zu verteidigen und schöpft wieder so viel Kraft. Ich habe das Projekt fachlich und persönlich als extrem positiv empfunden.

Jeden Tag habe ich gesehen, wie die Arbeiter ihre Tiere mit anderen Augen betrachten, Hände sanfter werden, besseres Futter angeboten wird, Wunden teils selbständig versorgt werden und das Leben und die Arbeit der Tiere mehr geschätzt werden… Durch die Arbeit der mauretanischen Tierärzte vor Ort werden nicht nur Wunden verarztet und Spritzen gesetzt. Das wäre – ehrlich gesagt - nutzlos und… verlorenes Geld! Wenn die Eselbesitzer nach ihrem Aufenthalt an der Wasserstelle ihre Tiere nicht besser behandeln würden, würde keine Wunde heilen. Eine Wunde heilt unter Schlägen nicht…

Kein Esel würde dauerhaft stärker und gesünder werden, nur durch die Arbeit der Tierärzte. Sie brauchen gutes Futter und ausreichend Wasser, Ruhephasen und sanfte Behandlung. Und dafür braucht es das Umdenken der Besitzer. Denn meistens wissen sie es – so seltsam das klingt – wirklich nicht besser. Es ist unfassbar, aber ja, manche wissen irgendwie nicht, dass ein Esel täglich trinken muss… Sogar mehrmals. Man steht völlig sprachlos vor solchen Leuten. Auch vor denen, die wiederholt auf blutende Wunden schlagen und sich wundern, dass ihr Esel schwach ist. Aber dann gibt es eben die, die langsam begreifen. Und für das Projekt Partei ergreifen. Und ihre Tiere sogar streicheln, sie gut füttern und ruhen lassen.
 

 

Und es werden immer mehr, die Veränderung ist jeden Tag spürbar… Die Tierärzte vor Ort verdienen meinen größten Respekt. Sie schaffen es, mit den Arbeitern auf Augenhöhe zu reden, in ihrer Sprache mit ihnen zu diskutieren (gar nicht so einfach bei 5 verschiedenen Sprachen), und ihr Verhalten nachhaltig zu beeinflussen und zu verändern. Und das auf freundliche, aber beharrliche Art und Weise. Man muss zuerst Vertrauen schaffen, und das dauert. Bei mir hat es fast 3 Wochen gedauert, bis ich es mir erlauben konnte, mit den Leuten heftig zu diskutieren und Kritik zu üben. Vorher hieß es: Unauffällig sein, gute Arbeit leisten, freundlich bleiben. Irgendwann kommen die Leute von selbst… Danach konnte ich es mir auch erlauben, Eselbesitzer vor allen anderen lautstark zu kritisieren, wenn sie ihre Tiere vor Ort schlugen. Und wenn jemand nicht verstanden hat oder nicht verstehen wollte, sind mir andere zur Seite gestanden und haben für mich Partei ergriffen. Die Leute werden in die Behandlung, vor allem in die Hufarbeit, mit einbezogen und beginnen zu verstehen, was ihre Tiere krank macht, und was ihnen hilft. Und genau so funktioniert der Wandel.

Die Leute müssen hinter der neuen Idee stehen, sie selbst verkörpern, sie umsetzen und andere anstecken. Wir können in so einem Land nichts verändern, wir können nur Impulse geben, damit sich die Menschen selbst verändern. Nur dann wird ein Wandel nachhaltig sein. Und die Impulse, die Respektiere vor Ort gibt, sind stark und ansteckend, denn das Team vor Ort – besonders der Tierarzt Dr. Omar Dieng - ist unglaublich. Sie entflammen Herzen und wecken Verständnis. Es ist noch egal ob die Besitzer ihre Tiere „lieben“ oder einfach mal aufhören sie schlecht zu behandeln. Jeder Schlag weniger zählt. Und man sieht ganz deutlich den Unterschied der Tiere an den Wasserstellen, die Respektiere betreut, im Vergleich zu überall sonst in der Stadt. Und das gibt Hoffnung und Mut, weiterzumachen.
 

 

 

Nicht umsonst habe ich es nach meiner Heimkehr nur ein Monat zuhause in Bayern ausgehalten. In der zweiten Maiwoche fliege ich – erneut bewaffnet mit Verbandsmaterial, Medikamenten und einem nagelneuen Hufpflegeset - zurück nach Mauretanien, zurück zu meinen geliebten, ausdauernden, zähen, hübschen kleinen Eselchen, die mich so berührt haben. Durch sie lernt man, was es bedeutet, zu leiden. Und dabei sogar fair zu bleiben. Sie verdienen meinen größten Respekt, denn durch ihre unglaublich harte Arbeit halten sie viele Menschen in dieser trostlosen Stadt am Leben. Unsere Aufgabe ist es nun, ihnen etwas zurückzugeben. Oder genauer: den Menschen vor Ort zu helfen, ihren Tieren endlich etwas zurückzugeben…

Ich möchte mich in diesem Sinne auch bei allen Spendern bedanken… Mit dem Geld konnten wir die mobile Klinik mit Material ausstatten, das es vorher nie gab! Die Tiere profitieren enorm von den neuen Medikamenten, Verbandsmaterialien und medizinischen Geräten. Die Arbeit ist ganzheitlicher geworden, vor allem auch durch den neuen Aspekt Hufpflege, den es vorher gar nicht gab und durch den manche Esel nach monatelangem Leiden wieder schmerzfrei gehen können. Die Ärzte vor Ort sind nun dank der vielen Spenden viel besser für die verschiedensten Fälle (auch kleine Operationen vor Ort) ausgestattet. Auch bei meinem nächsten Besuch ist mein halber Koffer wieder voller notwendiger Materialien, die auch oft in Österreich oder Deutschland um ein vielfaches billiger sind... (Kanülen, 100 Stück: vor Ort: 15 €. Hier: 2,65 € !!).

Da jedes Monat neue Medikamente und Materialien gebraucht werden und ein hoher Verbrauch durch die große Anzahl der kranken Tiere (wöchentlich über 200 behandelte Esel, über 300 Injektionen und über 400 Einzelbehandlungen) an Spritzen, Kanülen, Medikamenten und Verbandsmaterial herrscht, ist das Projekt auch weiterhin auf Ihre Unterstützung angewiesen... Dabei können wir garantieren, dass jeder Cent auch bei den Eseln in Nouakchott ankommt!

Nun freue ich mich auf die nächste Reise in die Wüste, die trotz ihrer Kargheit, des Mülls, des Gestanks und des Leides mein Herz berührt hat und mich aus der Ferne ruft... Denn die Menschen und Tiere vor Ort sind – wie es in Aladins Wunderlampe so schön heißt – ungeschliffene Diamanten (Fotos: Sylvia Reiter)!