Mauretanien II - 2012

Hier ein kleiner Rückblick auf meinen 3 Monatigen Aufenthalt in Mauretanien

für das EselProjekt von Respektiere..

 

Noch diese Woche wird 'unsere' Biologin S. Reiter aus Mauretanien zurück kehren; Sie hat die letzten drei Monate in Nouakchott beim Projekt 'Esel in Mauretanien' verbracht und mit ihrer so engagierten Anwesenheit der mobilen Klinik einen weiteren großen Fortschritt beschert. Aber bitte lesen Sie selbst was unsere 'Tubab', 'die junge Weisse' - so wird die mutige Biologin von den Eselhaltern genannt - zu berichten hat:



Zwischen Wüstensand und Eselhufen...

Ein Resümee über ein Vierteljahr beim Eselprojekt

von RespekTiere in Mauretanien

 

In den letzten drei Monaten, die ich mit den mauretanischen Tierärzten vor Ort in Nouakchott verbringen durfte, hat sich viel getan. Ich fliege mit großer Wehmut, aber auch mit großem Stolz zurück nach Deutschland. Rückblickend kann man sagen, dass sich seit der Umstrukturierung des Teams das ganze Projekt sehr positiv entwickelt hat. Es herrscht großer Zusammenhalt und eine sehr gute Arbeitsatmösphäre, da sich die Ärzte gegenseitig wunderbar in ihren Stärken ergänzen. Mit Moussa und Mohammed hat sich das Team um Dr. Oumar Dieng schön abgerundet: Der junge Moussa hat mit seiner ruhigen aber bestimmten und professionellen Art und seinem Fachwissen einen großen Einfluss, gerade auf die jüngeren Eselhalter. Der lebhafte Mohammed ist ein sehr tatkräftiger Assistent, der während Dr. Diengs verdientem Ramadan-Urlaub bereits selbständig an einer Wasserstelle und am Eselmarkt behandelt. Er hat sich seit seinem ersten Besuch unter Dr. Diengs Leitung sehr positiv entwickelt, hat viel gelernt und setzt es ohne zu zögern in die Praxis um. Sein Arbeitseifer verdient großen Respekt. Zur Freude des Teams haben wir für die nächsten zwei Monate sogar einen Praktikanten bei uns: Abdalaye Gueye, der selbst Tiermedizin studiert und sich sehr fleissig seit seinem ersten Tag in die Arbeit einbringt. Er ist geschickt beim Hufe zurechtschneiden, hat keine Scheu mit den Leuten zu diskutieren und bringt ein gutes Basiswissen mit. Er wurde von allen sehr positiv aufgenommen und zeigt viel Freude an der Arbeit mit den Eseln. Junge Leute wie er können in Zukunft noch sehr wichtig für das Projekt werden...

            Bleibt noch die junge Weisse – eine Tubab, Nazrani – ich eben: durch die körperlich sehr fordernde Arbeit der Hufpflege, die es in dieser Form hier quasi nicht gibt, habe ich mir genug Respekt und Freundschaft verdient, um nach einer zögerlichen Anfangsphase auf Augenhöhe mit den Eselhaltern diskutieren zu können. Erst wenn dieser Punkt erreicht ist, bleibt das, was man zu sagen hat, auch in den Köpfen hängen. Und das hat es getan...

 

 

Foto links oben: Sylvia mit unserem medizinischen Personal - von links nach rechts - Moussa, dem Praktikanten Abdalaye Gueye und Mohammed; Sylvia bei der Arbeit; Foto rechts unten: Auflauf an den Wasserstellen im Zuge der Behandlungen

Die mobile Klinik hat weiterhin enorme Fortschritte gemacht: Die verbesserte Hygiene am Arbeitsplatz ist in den Alltag übergegangen und wird gut umgesetzt, genauso wie neu eingeführte Medikamente und Materialien. Die Hufpflege gehört mittlerweile zur Routine, sehr zur Freude der Eselhalter. Dadurch, dass die Leute in die Hufbehandlung direkt mit einbezogen werden, enwickelt sich auch ein Grundverständnis davon, was den Hufen schadet. So fangen die Eselhalter bereits selbst an, die Hufe sauber zu machen und nachzusehen, ob vielleicht etwas darinnen steckt und Schmerzen verursacht. Diese kleinen Denkanstösse sind sehr wichtig...

Die Arbeit erzielt mittlerweile so gute Erfolge bei den Eseln und vor allem bei der Einstellung der Leute, dass wir an einigen Wasserstellen die Arbeit bereits reduzieren können, da die Tiere insgesamt in gutem gesundheitlichem Zustand (keine Wunden, gut genährt, kräftig) sind. Die Leute, deren Esel wir wöchentlich betreuen, haben fast alle aus der Situation gelernt und ihr Verhalten den Tieren gegenüber deutlich verändert. Sie werden sogar selbständig (oder unter unserer Anleitung) kreativ um z.B einschneidende Gurte zu polstern oder besser sitzende Rückenauflagen zu basteln, um Wunden besser heilen zu lassen. Somit können nun neue Wasserstellen gesucht werden, die eine Betreuung nötiger haben. Um die Alten nicht ganz aufzugeben, werden die Standorte in Zukunft wöchentlich abgewechselt. Neu hinzugekommen ist auch der Fischmarkt am Hafen, an dem es besonders schlimm verwachsene Hufe gibt, da die Esel dort nur auf Sand laufen und somit der natürliche Abrieb fehlt. Die Arbeit dort wurde sehr positiv aufgenommen und wird mit einem Arbeitstag pro Monat fix ins neue Programm eingeplant...

 

Foto links: nur durch Ihre Hilfe können wir den Ärzten modernes Arbeitsgerät zur Verfügung stellen - herzlichsten Dank dafür!
Foto rechts: eine selbstgebaute Auflage zur Schonung der so oft passierten Verletzung am Rücken 

 

Trotz all dem Leid und den Problemen vor Ort ist mein Herz voll mit schönen Erinnerungen. Mit der Zeit habe ich viele der Eselhalter persönlich kennengelernt, und jeder hat seine Geschichte. Über den positiven persönlichen Dialog dringt man auch so weit vor, dass sie ihre Tiere irgendwann mit anderen Augen sehen. Und man erhält ihr Vertrauen. Das geht soweit, dass sie sich sogar an uns wenden, wenn sie selbst verletzt sind. Immer wieder kommt es vor, dass sich ein menschlicher Patient in den Arbeitsalltag schleicht und mit versorgt wird. Dafür erntet man große Dankbarkeit und vor allem die Bereitschaft, alte Gewohnheiten über den Haufen zu werfen und selbst Güte und Fürsorge zu zeigen. Nur durch die Bewusstseinsveränderung wird sich auch das Verhalten ändern. Und diesen Wandel habe ich jeden Tag gesehen, darauf können wir sehr stolz sein!

 

Fotos: links oben der großartige Dr. Facharani aus Bayerisch Gmain im Feldeinsatz für RespekTiere; rechts Dr. Dieng bei der Arbeit!



Ich verlasse Mauretanien und die zähen kleinen Eselchen mit großer Wehmut, aber auch mit dem schönen Gefühl, etwas in den Köpfen der Menschen und an der Situation der Esel zum Positiven gewandelt zu haben! Und vor allem mit dem Gefühl, dass die Arbeit vor Ort sich sehr positiv entwickelt hat und man ein rundes Team mit einer enormen Arbeitsmoral zurücklässt, das die gute Arbeit weiteführen wird...